Wieso stellen wir Farbverlaufsgarn aus Polyacryl und Baumwolle her?


Birgit Wyss

Farbverlaufsgarn aus Baumwolle und Polyacryl

Mein Name ist Birgit Wyss und ich handarbeite seit über 45 Jahren. Aus dieser vielseitigen Leidenschaft habe ich 2016 etwas mehr gemacht und meinen Onlineshop und Marke Chiemseegarn gegründet. Seit 2016 stellen wir nun Farbverlaufsgarne aus Polyacryl und Baumwolle her, weswegen ich in diesem Blogbeitrag die Frage beantworten möchte: wieso stellen wir Farbverlaufsgarne aus Polyacryl und Baumwolle her?

Polyacryl ist eine Kunstfaser, welche sehr widerstandsfähig, waschmaschinenfest und außerdem noch farbecht ist. In unseren Farbverlaufsgarnen nehmen wir sie her, um die Vorteile dieser Kunstfaser mit den Vorteilen der Baumwolle zu kombinieren.

Doch das ist noch nicht alles, Farbverlaufsgarne aus Polyacryl bieten noch viele weitere Vorteile, nämlich dass sie leicht und formbeständig sind. Wie du deine Werke mit Haarspülung wieder auf Vordermann bringst oder ohne das lästige Spannen in Form bringst wird im Verlauf dieses Beitrags beschrieben. oder

Warum stellen wir unsere Farbverlaufsgarne aus Polyacryl und Baumwolle her?

Wir stellen unsere Farbverlaufsgarne aus Polyacryl und Baumwolle her, weil unsere Garne dadurch sowohl widerstandsfähig und waschmaschinenfest, als auch angenehm und hautfreundlich sind. 

Unsere Farbverlaufsgarne sind ideal für jegliche Art von Handarbeiten, egal ob gestrickt oder gehäkelt. Man kann daraus traumhafte Westen und Jacken arbeiten, Seelenwärmer zum Einkuscheln, lässige Tuniken und natürlich Tücher, Schals und Loops in allen erdenklichen Formen, Größen und Farben. Auch für Decken oder Babydecken ist es das ideale Material.

Was sind die Vorteile und Eigenschaften von Polyacryl im Farbverlaufsgarn?

Polyacryl ist eine Kunstfaser und hat einen weichen Griff, ähnlich dem von Wolle und wirkt wärmeisolierend.

  • bis 40° in der Maschine waschbar
  • geeignet für den Trockner
  • die Naturfasern verfilzen weniger
  • dadurch dass die Fasern eine geringe Dichte aufweisen, sind sie sehr leicht
  • Polyacryl nimmt nur wenig Feuchtigkeit auf und ist somit schnelltrocknend 
  • Polyacrylfasern sind bauschig und wollähnlich - daher halten sie gut die Wärme und wirken isolierend
  • es knittert sehr wenig
  • es lässt sich gut einfärben
  • es ist elastisch
  • es ist weich
  • es ist auch für Allergiker geeignet
  • pillt kaum

Polyacryl ist normalerweiser günstiger in der Anschaffung und somit sind die Farbverlaufsgarne nicht so teuer. Gerade wenn man ein bisschen aufs Geld schauen muss oder gerade erst mit dem Handarbeiten angefangen hat ist das eine gute Lösung. Davon abgesehen, würde die weltweite Produktion von Naturfasern nicht ausreichen um den Bedarf für Textilien zu bedienen!

Garne mit einem Kunststoffanteil filzen in der Regel nicht (darum haben auch Sockengarne einen Kunststoffanteil!) und lassen sich ohne Probleme ribbeln, was bei Garnen mit langen Fasern, wie z.B. Mohair kaum möglich ist.

Unsere Garne aus Baumwolle mit Polyacryl sind auch für den veganen Lebensstil geeignet. 

Was sind die Vorteile und Eigenschaften von Baumwolle im Farbverlaufsgarn?

Baumwolle passt hervorragend zu dem im Moment sehr aktuellen Thema Nachhaltigkeit, denn sie ist ein nachwachsender Rohstoff. Der Tragekomfort ist hoch, da sie atmungsaktiv ist sowie sehr saugfähig und leicht im Gewicht.

  • im nassen Zustand sehr viel reißfester als wenn sie trocken ist
  • weich und hautfreundlich und ohne Kratzen
  • geringes Allergiepotenzial
  • sehr hitzebeständig
  • langlebig und pflegeleicht
  • temperatur- und feuchtigkeitsregulierend
  • pflegeleicht und sehr widerstandsfähig
  • strapazierfähig und dehnbar

Kann man mit einer Mischung aus Polyacryl und Baumwolle im Farbverlaufsgarn Nachteile der einzelnen Rohstoffe ausgleichen?

Wo es Vorteile gibt, gibt es leider auch Nachteile. Dadurch dass die Farbverlaufsgarne gemischt werden was das Material betrifft, so werden einerseits die Vorteile verstärkt und die Nachteile minimiert.


Die Herstellung von Polyacryl erfordert viel Energie, viel mehr als die von Baumwolle. Zudem basiert Polyacryl auf Acrylnitril, das aus Erdöl hergestellt wird. Es gibt allerdings bereits Forschungsprojekte, die Polyacryl aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen wollen.

Ein anderes Problem bei Polyacryl ist, dass beim Waschen Mikroplastik produziert wird. Es wurde erforscht, dass ein Kleidungsstück bis zu 1.900 Fasern pro Waschgang verlieren kann, die so ins Abwasser gelangen. Kläranlagen können die winzigen Teilchen oft nicht komplett herausfiltern und so gelangen sie in Gewässer und Meere. Dies kann man vermeiden oder zumindest sehr reduzieren, indem man die Waschmaschine mit Polyacryl nur vollbeladen laufen lässt bei kurzen Waschgängen und geringer Schleuder-Drehzahl.

Polyacryl wird derzeit noch sehr wenig recycelt, obwohl es bereits etliche Ansätze dazu gibt. Du kannst nicht mehr tragbare Kleidung und Materialien beim nächstgelegenen Wertstoffhof abgeben. Die Mitarbeiter kennen sich am besten mit einer fachgerechten Verwertung aus. Wenn die Sachen noch in Ordnung sind, kannst du sie auch in einem Second-Hand-Laden abgeben.

Auch Baumwolle hat kleine Nachteile, die meiner Meinung nach aber nicht sehr relevant sind. Aufgrund der geringen Elastizität knittert sie leicht und wird ziemlich schwer wenn sie nass ist. Bei minderwertigen Farben kann sie schnell verwaschen aussehen. Wer sichergehen will, dass Baumwolle sich beim Waschen weder in der Größe noch in der Form verändert, sollte eine kleine Maschenprobe stricken oder häkeln und diese in der Maschine waschen.



Warum machen wir unsere Farbverlaufsgarne nicht nur aus Polyacryl?

Dadurch dass verschiedene Materialien verwendet werden, werden die Vorteile von den unterschiedlichen Materialien vereint. Zum Beispiel bei unseren Farbverlaufsgarnen sorgt die Baumwolle dafür, dass sich das fertige Werk angenehm weich anfühlt und außerdem eine hohe Atmungsaktivität mit sich bringt. Der Polyacryl-Anteil sorgt hingegen für eine Strapazierfähigkeit und macht es möglich dass das Garn waschbar und sehr formbeständig ist.

Es gibt auch Farbverlaufsgarne, die ausschließlich aus Polyacryl bestehen, was nicht verwerflich ist. Da kommen dann natürlich nur die Vor- und Nachteile von diesem Material zum Tragen und nicht die des beigefügten Materials. Das bedeutet, dass sich Vor- und Nachteile nicht ausgleichen oder ergänzen können. 

Was ist Polyacryl?

Polyacryl – um genau zu sein heisst es  Polyacrylnitril (PAN) – ist ähnlich wie Polyester eine Kunstfaser auf Erdölbasis, die aus polymerisierten Acrylfasern besteht. In der Reinform ist es hart und unflexibel aber es kann in bestimmten Chemikalien gelöst werden und so in die für die Textilproduktion notwendigen Polyacrylfasern umgewandelt werden.

Polyacryl häufig zu anderen Materialien hinzugefügt, um deren positive Eigenschaften zu ergänzen. Wenn man haltbare Werke arbeiten möchte, egal ob gehäkelt oder gestrickt, sollte man auf eine Mischung aus Polyacryl mit einem anderen Material achten.

In diesem Beitrag erkläre ich euch wie Farbverlaufsgarne aus Polyacryl hergestellt werden, und wieso sich die Eigenschaften von Polyacryl und Baumwolle, hervorragend ergänzen.

Wie wird Polyacryl hergestellt?

Polyacryl wird sowohl im Nassspinn- als auch im Trockenspinnverfahren produziert. Die zu spinnende Masse wird dabei wahlweise durch eine Düse in einen Warmluftschacht gepresst oder wird in ein Fällbad mit einer speziellen Chemikalie geschossen, in dem sich das Material dann verfestigt. Polyacryl wird immer als sogenannte gekräuselte Spinnfaser hergestellt und verwendet.

Was ist Baumwolle?

Baumwolle, englisch: cotton, ist eine pflanzliche Naturfaser, die aus etwa 91% aus Zellulose besteht, die aus den Fruchtkapseln der Baumwollpflanze (gehört zu den malvengewächsen) gewonnen wird.

Es gibt weltweit 51 Arten von Baumwolle, aber nur 4 davon werden verwendet, nämlich:

  • Levante-Baumwollfasern
  • Tree cotton
  • Hochlandbaumwolle 
  • Sea-Island-Baumwollfasern

Die Hochlandbaumwolle wird weltweit am meisten verwendet mit einem Anteil von ca. 90% der Gesamtproduktion. Eine sehr hochwertige und auch teurere Art ist die Sea-Island-Baumwollfaser mit einem Anteil von ca. 8%).

Wie wird Baumwolle hergestellt?

Wenn die Baumwollfrucht reif ist, platzen die Samen und das typische watteähnliche Bild der reifen Baumwollpflanze kommt zum Vorschein. Diese Baumwollkapseln werden entweder traditionell mit der Hand geerntet oder aber auch maschinell. Da allerdings bei den meisten Arten nicht alle Früchte gleichzeitig reifen, gibt es viel Ausschuss bei der maschinellen Ernte.

Die Verarbeitung der Baumwollpflanze

Nun muss der Inhalt der Kapsel von den Resten der Fruchtkapsel, den Samen und Blättern getrennt werden. Die herausgekämmten Samen werden zu Öl verarbeitet oder wiederum eingepflanzt. Die Samenhüllen werden bei Tierfutter oder Hühnereinstreu verwertet.

Als nächstes werden die Baumwollfasern zu Ballen gepresst, an Baumwollspinnereien versendet und dort nach Qualitätsmerkmalen, Reinheit und Stapellänge sortiert und eingeteilt. Diese Spinnereien befinden sich meist in der Nähe der Anbaugebiete in Asien und Indien.

Die Fasern werden nun in Form gebracht und von einer Spinnmaschine zu Garn gezwirbelt. Es wird eine chemische Imprägnierflüssigkeit hinzugegeben, die das Reißen des Fadens beim Weben verhindert - später wäscht sie sich aber wieder aus.

Wenn Baumwolle “mercerisiert” wird, das heisst sie wird mit Natronlauge veredelt, verändert sich die Struktur der Baumwolle. Die Zellwand der Faser quillt auf, die Oberfläche wird geglättet und somit ist die Baumwolle leichter zu färben und zu waschen.

Welche Garne werden aus Baumwolle außer Farbverlaufsgarnen noch hergestellt?

Es gibt noch viele andere Garne, die aus Baumwolle hergestellt werden, wobei es auf den Verwendungszweck ankommt, z.B.:

  • Topflappengarn
  • Babybaumwolle
  • Schulgarn
  • Filethäkelgarn

Kann man noch andere Fasern zu Polyacryl beimischen?

Farbverlaufsgarne kann man aus vielen verschiedenen Mischungen herstellen, oft werden dafür folgende Mischungen verwendet:

  • mit Alpakagarn
  • mit Merinowolle
  • mit Schurwolle
  • mit Seide bzw. Seide und Baumwolle
  • mit Mohair

Im nächsten Absatz erläutere ich in welchem Verhältnis die unterschiedlichen Materialien verarbeitet werden.

In welchem Verhältnis werden Fasern in Farbverlaufsgarnen gemischt?

Es gibt verschiedene Mischverhältnisse für Farbverlaufsgarne. Wir verwenden Garne aus 50% Baumwolle und 50% Polyacryl. Es gibt aber auch das Verhältnis 60/40 oder 75/25. Auf diese Weise werden die jeweiligen Vorteile hervorgehoben und die Nachteile gemindert, je nachdem was einem wichtig ist.

Als Beilauffaden kann zum Beispiel ein Glitzerfaden in etlichen Farben zugefügt werden oder auch ein Pailletten- oder Perlenfaden.

Ebenso gibt es Garne, bei denen zum Polyacryl Merinowolle beigefügt wird statt Baumwolle oder man fügt Alpaka und/oder Wolle hinzu. Auch hier liegt das Verhältnis bei plus/minus 50/50.

Es gibt auch Farbverlaufsgarne, die einen Mohairanteil von ca. 20% beinhalten.

Wenn drei Komponenten enthalten sind, ist das Verhältnis meistens gedrittelt, also zum Beispiel 34% Seide, 33% Polyacryl und 33% Baumwolle.

Die Varianten sind vielfältig und jeder kann sich das für ihn geeignete Garn raussuchen, das von der Verarbeitung, dem Verwendungszweck des fertigen Werkes und natürlich den Vorlieben am besten zu ihm passt. 

Aber wie vorhin bereits erwähnt ergänzen sich die Nachteile und gleichen sich aus und die Vorteile der beiden verschiedenen Materialien vereinen sich großartig und werden zu unseren wunderschönen Farbverlaufsgarnen gewickelt. 

Tipps und Tricks für die richtige Pflege von Farbverlaufsgarnen aus Polyacryl und Baumwolle

Da unsere Farbverlaufsgarne bei 40° in der Maschine gewaschen werden können, Weichspüler aber erst ab 60° überhaupt aktiv wird, kann man einen Schuss Haarspülung als Weichspülerersatz zugeben. Dieser macht das Werk weich, verleiht einen schönen Glanz und einen angenehmen Duft.

Da Polyacryl keine große Hitze verträgt, können die Werke aus unseren Farbverlaufsbobbel auch nicht gebügelt werden. Damit sie schön glatt werden, reicht es sie in feuchtem Zustand einfach auf einer Decke oder Teppich auszulegen, in Form zu zupfen und trocknen zu lassen. Somit benötigt man auch keine Nadeln zum Spannen.

Kleidungsstücke kann man auch nach dem Waschen in ein Handtuch einwickeln, ein bisschen ausdrücken und dann liegend trocknen lassen oder über einen Bügel hängen.


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